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Herzlich Willkommen!

Wildbienen haben es auch nicht leicht

Denn ihr Alltag ist ein Überlebenskampf!

Hornissen überfallen sie beim Sammeln, Spinnen spannen Netze in ihre Flugbahnen, Parasiten plündern ihre Vorräte oder fressen ihren Nachwuchs auf.

Und was tun die Wildbienen? Sie kontern mit ausgetüftelten Vermehrungsstrategien, betonharten Nestern und perfekter Tarnung. All dies ist Ausdruck eines fein austarierten biologischen Gleichgewichts - ein hochkomplexes, faszinierendes Netzwerk, das direkt vor unserer Haustür existiert und beobachtet werden kann. Das Buch «Wildbienen haben es auch nicht leicht» von Jörg Schneider lädt Sie ein, diese spannende und aufregende Welt zu entdecken.

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Rotschöpfige Sandbiene (Andrena haemorrhoa) – Männchen (9 mm).

 

Schneider, Jörg
Wildbienen haben es auch nicht leicht Buch

CHF 30.00 CHF 25.50*

Nachfolgend begleiten wir den Biologen und Naturfotografen Jörg Schneider durch sein Buch und werfen einen Blick auf die faszinierenden Beziehungen zwischen Wildbienen, ihren Räubern, Parasiten und weiteren Gartenbewohnern, die das verborgene Drama des ökologischen Zusammenlebens im Garten sichtbar machen.

Wie kam es zu diesem Buch?

Ich bin ausgebildeter Biologe, aber meine Studienschwerpunkte waren Bakterien und ihre Viren. Insekten hatte ich während einer Exkursion ins Wallis kennengelernt. Alfred Buschinger, Ameisenforscher und wunderbarer Wissensvermittler, hat mich dort insbesondere für Bienen und Wespen begeistert. Eine Weile habe ich mich damit noch beschäftigt, dies aber beim Eintritt ins Berufsleben 1991 völlig aufgegeben. 30 Jahre später kam Corona... Ich war 2020 längst im Wissenschaftsmanagement etabliert und aufgrund der Spezialisierung auf internationale Beziehungen eigentlich ständig im Ausland unterwegs. Und plötzlich: Stillstand!

Wohin also mit all meiner Reiselust? In den Garten, meinte meine kluge Frau – und ich besann mich meines alten Hobbies und meiner ähnlich alten, aber hervorragenden Kamera (inzwischen durch Digitalkamera ersetzt). Ich begann die biologische Vielfalt in unserem Garten zu erkunden. Daraus entstand ein Newsletter genau zu diesem Thema und die Idee, ein Buch daraus zu machen.

Wen beschreibe ich?

Tatsächlich versuche ich mich auf Beobachtungen aus dem eigenen Garten (etwa 1000 m2, Obstbäume und Zierpflanzen; Ortsrand, direkt am Wald) sowie benachbarte Felder und Wiesen in der Voreifel, nahe Bonn, zu konzentrieren. Kamen mir die Tierchen einmal anderswo vor meine Kamera, merke ich dies an. Schreibe ich bei den Tierbeschreibungen zum Vorkommen «bei uns», so sind Deutschland und die angrenzenden Länder gemeint. Ansonsten erwähne ich den Garten. Ich versuche die beobachteten Tiere jeweils mit einem deutschen Namen zu benennen, den es aber nicht in allen Fällen gibt. Ganz wichtig ist mir aber: Die allermeisten Insekten oder Spinnen kann man am Foto nicht wirklich genau erkennen! Viele Fotos habe ich, beispielsweise in entsprechenden Internet-Foren, Experten vorgelegt, die mir dann einen sehr wahrscheinlichen Namen genannt haben. Aber ganz sicher kann man eigentlich häufig nur sein, wenn ein totes Tier unter dem Mikroskop untersucht wurde. Ist uns das der richtige Name wert? Mir nicht, ich kann mit «ungefähr» ganz gut leben.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch – ich sehe nicht, wie man seriöse Forschung betreiben kann, ohne tote Insekten zu sammeln und zu untersuchen. Aber dann soll es auch einem wissenschaftlichen Zweck dienen, und nicht einer Liebhaberei wie bei mir. (Insektensammlern wird es im Übrigen nicht gelingen, eine Insektenart auszurotten oder auch nur ernsthaft zu gefährden; von einigen nur ganz begrenzt vorkommenden, extrem seltenen Arten vielleicht abgesehen). Denn bedenken Sie: Die meisten Insekten enden ohnehin als «Vogelfutter».

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Mittelspecht (Leiopicus medius) – die Eltern haben alle Schnäbel voll zu tun.

Können Sie das alles auch beobachten?

Im Prinzip: ja! Sie brauchen dafür neben einem «Jagdrevier», also Garten, Wiese oder Park vor allem Geduld, besonders mit sich selbst. Die beste Zeit für Insektenbeobachtungen liegt so zwischen April bis September. Je nach Tageszeit sind natürlich unterschiedliche Tiere unterwegs. Als Anfänger:in konzentrieren Sie sich am besten auf Blüten und deren Besucher. Dann brauchen Sie auch (erst einmal) keine teure Kamera; mit einem neueren Handy lassen sich Ihre Beobachtungen wunderbar festhalten. Die Fotos können Sie dann bei einschlägigen Internet-Foren einstellen, um hoffentlich einen Namen für Ihr Tier zu bekommen.

Wenn Sie dann mit Spaß bei der Sache bleiben und auch die kleineren Tierchen sehen und fotografieren wollen, ist immer noch Zeit für eine Digitalkamera mit Makro-Objektiv. Viel Freude wünsche ich Ihnen dabei.

Prinzipielle Gefahren für Bienen

Neben den Aktivitäten des Menschen müssen sich Bienen auf eine ganze Reihe von «Feinden» einstellen:

  • Bienen-Imagines (vollständig entwickelte, erwachsene und geschlechtsreife Bienen) werden ungezielt als Beute gefangen und gefressen – man erinnere sich an das Vogelfutter.
  • Bienen-Imagines werden mehr oder weniger gezielt gejagt, betäubt und dem Nachwuchs der Jägerinnen als Nahrung zur Verfügung gestellt.
  • Kleptoparasiten legen ihre Eier in ein Bienennest, ihre Larven fressen dem Bienennachwuchs die Vorräte weg. Meist geht die Bienenlarve dabei zugrunde, wenn der ungebetene Gast sie nicht vorher ohnehin verspeist hat.
  • Der Nachwuchs der Bienen (Eier, Larven, Puppen) wird Opfer von Parasitoiden – diese legen ein Ei (oder mehrere) in ein Bienennest und die fremden Larven nutzen die Bienenlarve als Nahrung.

Umgebungseffekte, insbesondere auch durch den Menschen verursacht, spielen in diesem Buch – anders als in der Natur – eine untergeordnete Rolle.

Warum so wenige Bienen in diesem Buch?

Dieses Buch hier ist kein Bienenbuch! Bienenbücher gibt es zuhauf, oft viel besser, als ich das je zusammenstellen und schreiben könnte. Hier geht es um die «Feinde» der Bienen, weshalb ich Bienen selbst nur da beschreibe, wo dies für das Miteinander, oder besser: Gegeneinander sinnvoll ist.

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Eine Bienenwölfin trinkt Nektar aus einer Distelblüte, als auf der Nachbarblüte eine Honigbiene landet. Die Wespe reagiert blitzschnell und stürzte sich sofort auf die willkommene Beute.

 

Kuckucks-Wespen

Kuckuck können auch andere! Das Prinzip ist weit verbreitet bei den Brutfürsorge-treibenden Hautflüglern. Statt selbst Nahrung und Unterschlupf für die lieben Kleinen bereitzustellen, hat immer ein Anteil der entsprechenden Insektengruppen eine Strategie gefunden, diesen Kleptoparasitismus zu etablieren. 

Kleptoparasiten ernähren sich nicht von ihren Wirtslarven, sondern den Vorräten, die deren Mütter eingelagert haben. Dabei nehmen sie den Tod der Wirtslarven allerdings in Kauf. Oder der Nahrungskonkurrent wird direkt zu Beginn aufgefressen. Bei den Kuckucksbienen bleibt das zumindest in der «Familie», jedenfalls Bienen unter sich. Das kennt man so auch von Grabwespen oder von Spinnen-eintragenden Wegwespen. Aber es gibt auch Hautflügler-Familien, deren Arten durchgängig Kleptoparasiten bei anderen Familien sind.

Hier beschreibe ich die Keulenwespen, die Schmalbauchwespen und die besonders auffälligen Goldwespen. Die Mitglieder dieser Familien sind vielfältig als Kuckuckswespen unterwegs – bei den Bienen streng genommen allerdings nicht, denn die Kuckuckslarven sind meist keine Vegetarier…

Goldwespen (Chrysididae)

Weltweit kennt man derzeit ca. 2500 Arten dieser «fliegenden Juwelen», davon etwa 110 in Deutschland. Es sind Wärme- und Sonne-liebende Wespen der Familie Chrysididae (Goldwespen), die innerhalb der Stechimmen (Teilordnung der Hautflügler) mit einigen kleineren Familien in die Überfamilie der Chrysidoidea gehört. Alle bekannten Arten der Goldwespen sind entweder Parasitoide oder Kleptoparasiten, meist bei Stechimmen, aber auch bei Pflanzenwespen oder Schmetterlingen. Kleptoparasiten oder Kuckuckswespen sind sie bei Wirtstieren, die selbst für ihren Nachwuchs tierische Kost bevorraten. Bei Vegetariern wie den Larven der Bienen und der Pflanzenwespen oder den Raupen der Schmetterlinge leben die Goldwespen als Parasitoide, sie ernähren sich direkt von den Wirtslarven.

Die ursprünglichere Lebensweise der Goldwespen können Sie vermutlich an Ihren Stachelbeer- oder Johannisbeersträuchern beobachten. In unserem Garten fressen daran jedes Jahr eine überschaubare Menge von Larven der Gelben Stachelbeerblattwespe (Euura ribesii; früher Nematus ribesii). Ich lasse sie dies gerne tun, der Beerenernte schadet das nicht, und die Raupen sind Futter für eine ganze Menge Wespen bei uns. Sind sie ausgewachsen, lassen sie sich zu Boden fallen und überwintern dort als Puppe. Auf diese hat es dann die Johannisbeer- Diebsgoldwespe (Cleptes semiauratus) abgesehen. Die eher zierlich wirkenden, 5–8 mm langen Tierchen haben ziemlich kräftige Mandibeln, mit denen sie die Puppenhülle der Blattwespe aufschneiden können. Durch die Öffnung legen sie ein Ei und verschließen die Hülle mit Sekret aus einer Speicheldrüse wieder. Ihre Larve kann nun zwei Monate lang in Ruhe die Blattwespenlarve verspeisen, um sich dann selbst in deren Kokon noch einmal einzuspinnen und so zu überwintern.

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Goldwespen aus dem Chrysis ignita Artenkomplex sind häufige Gäste an unserer Nisthilfe.

Ein ganz spezieller Körperbau – vor allem zur Verteidigung

Was macht eigentlich eine Goldwespe, wenn sie im oder am Nest einer Bienenmutter begegnet, die durchaus aggressiv auf den Eindringling reagieren könnte?

Wir erinnern uns – vorne kräftige Beißwerkzeuge, hinten ein Giftstachel. Und die Goldwespe? Sie rollt sich ein! Der Goldwespenkörper ist eine raffinierte Konstruktion. Im Vergleich zum Wespengrundbauplan sieht man am Hinterteil äußerlich nur noch 3–5 Körpersegmente, bei den hier besprochenen, Bienen-nutzenden Chrysidinae sind es sogar nur noch drei. Diese sind so geformt, dass sich die Wespen blitzschnell zu einer Verteidigungskugel zusammenrollen können, die alle wichtigen Körperteile schützt. Nur die Flügel bleiben ungeschützt, sind aber, wenn man schon mal am Bienennest ist, gar nicht mehr so wichtig. Die Cuticula der Chrysidinae ist extrem dick und bietet kaum Angriffsflächen für die Mandibeln der Nestverteidigerinnen. Die für Stechimmenstiche so empfindlichen Häute zwischen den Panzerplatten des Hinterteils sind durch die Reduktion der Körperglieder natürlich auch weniger und durch die raue Strukturierung der Rückenplatten gut geschützt. Der angreifenden Biene bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als die Goldwespe aus dem Nest zu schubsen. Aber die kommt wieder. Goldwespen der Gattung Cleptes sparen sich «natürlich» die gewaltige Investition in einen verstärkten Einrollpanzer. Den Müttern ihrer Wirtstiere, Pflanzenwespen, begegnen sie höchstens einmal zufällig. Aber die haben ohnehin keinen Wehrstachel. Cleptes hat noch fünf sichtbare Hinterleibssegmente und ein «normal» dickes Exoskelett. Die Goldwespen selbst können übrigens nicht mehr stechen, ihr Giftstachel ist verschwunden. Stattdessen haben sie aus den hinteren Körpersegmenten einen eigenen Legestachel entwickelt, der teleskopartig ausgefahren werden kann. So können sie ihre Eier zielsicher in die Kokons ihrer Opfer platzieren, auch wenn sie dafür schon einmal durch eine Wand müssen. Bei den Männchen gibt es analog ein ausfahrbares Begattungsorgan.

Wachsmotten

Wachsmotten aus der Schmetterlingsfamilie der Zünsler (Pyralidae) möchte ich hier nur der Vollständigkeit halber noch kurz erwähnen. Es ist bekannt, dass nicht alle Schmetterlinge in erster Linie schön aussehen. Verschiedenste gefräßige Raupen in Gärten und der Landwirtschaft, Buchsbaumzünsler, Getreide- oder Wollmotten, Apfel- oder Pflaumenwickler sind bekannte «Schädlinge». In diese Kategorie gehören auch die Wachsmotten, insbesondere aus Perspektive der Honigbienen und Hummeln, für die Wachs ein wichtiges Baumaterial ist. Der Befall mit Wachsmotten – deren Larven können tatsächlich Wachs verdauen und davon leben – kann ganze Hummelnester zerstören. Falls Sie sich eine Hummelnisthilfe für den Garten anschaffen wollen, werden Sie feststellen: Viele Modelle haben eine Eingangsklappe gegen Wachsmotten. Tatsächlich hängt da eine Plexiglasscheibe über dem Eingang. So sieht die Hummelkönigin, wenn sie im Frühjahr auf Nestsuche ist, dass es hier «irgendwo» hineingeht. Da sie es durchaus gewohnt ist, auch in freier Natur z. B. Blätter vor dem Nesteingang zur Seite zu schieben, klappt sie die Tür nach oben und kann hineinklettern. Wachsmotten (und einige andere Hummel-Parasiten) können das hingegen nicht.

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Unscheinbar, und doch so schädlich – die Hummelwachsmotte (Aphomia sociella, 15 mm).

Jagende Krabben?

Krabbenspinnen (Thomisidae; weltweit etwa 2200 Arten, bei uns 50) erkennt man gut am typischen Körperbau – der deutsche Name erklärt sich daraus von selbst. Einige bräunlich gefärbte Arten lauern vor allem am Boden, auf Rinde, im Gebüsch oder auf Wiesenpflanzen auf Beute. Buntere Arten findet man häufig auf Blüten. Sie und andere Lauerspinnen mögen der Grund dafür sein, dass viele Insekten Flugtechniken entwickelt haben, um beim Nektartanken nicht zu nahe an die Blüten heranzumüssen.

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Im Garten finde ich regelmäßig Misumena vatia mit unterschiedlichsten Opfern, meist Schwebfliegen oder wie hier: eine Sandbiene (Andrena) und eine Maskenbiene schaut zu ...

 

Die Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia)

Bei uns im Garten habe ich bestimmt acht bis zehn Arten beobachtet, einige am Foto nicht gut unterscheidbar. Als Bienenfängerin fällt dabei vor allem die leicht erkennbare Veränderliche Krabbenspinne (Misumena vatia) auf. Während die nur 3–5 mm großen, ausgewachsenen Männchen immer weitgehend gleich aussehen, gibt es die 8–12 mm großen Weibchen in unterschiedlichen Grundfarben – weiß, zitronengelb, grünlich, in Zwischentönen und dann noch häufig mit modisch-roten «Rallye-Streifen» an der Seite. Außerdem können sie als erwachsene Weibchen ihre Farbe dem Blütenhintergrund etwas anpassen. Dazu kann gelber Farbstoff aus der Tiefe der Cuticula an die eigentlich weiße Oberfläche transportiert werden, was aber ein paar Tage dauert. Ausgewachsene Tiere finde ich regelmäßig, aber immer nur mit wenigen Exemplaren, Spiderlinge hingegen fast das ganze Jahr und in wirklich großer Zahl. Alle Krabbenspinnen brauchen ein besonders schnell wirksames Gift, das sie direkt in das Nervensystem ihrer Beute spritzen. Sie haben ja kein Netz, um fliehende Opfer aufzuhalten. Häufig sieht man sie daher verbissen in den Hals eines sehr großen Beutetiers – Tiere, die deutlich größer sind als sie selbst, aber aufgrund der schnellen Giftwirkung nicht mehr flüchten können. Für die kurze Zeit, bis das Gift wirkt, hält die Spinne die Beute fest an der Blüte, kurzzeitig hat sie diese Kraft.

 

Fotos: © Jörg Schneider, aus dem Buch «Wildbienen haben es auch nicht leicht»


Jörg Schneider (*1959) studierte in Darmstadt und Norwich (England) Biologie mit Promotion über Bodenbakterien und ihre Viren. Nach weiterer Forschung in Osnabrück wechselte er 1991 in die Wissenschaftsverwaltung. Durch Corona 2020 besann er sich eines alten Hobbies und untersucht nun mit der Kamera die Biodiversität insbesondere des heimischen Gartens.

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