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Herzlich Willkommen!

«Mit meinen Illustrationen möchte ich Menschen berühren!»

Ein Must-have und Grundlagenwerk für alle, die sich mit Illustration befassen

Buch-Illustration, Werbung, Graphic Recording oder Gamedesign? Roberta Bergmann eröffnet mit «Die Grundlagen der Illustration» einen umfassenden Zugang zur zeitgenössischen Illustration.

Nach einer Einführung entsteht von Warm-up-Übungen bis zu komplexen Projekten ein solides Fundament, das den Beruf Illustrator:in greifbar macht. Mehr als 40 Übungen und Projekte führen Schritt für Schritt von ersten zeichnerischen Grundlagen zu komplexeren gestalterischen Aufgaben. Behandelt werden klassische Themen wie Zeichnen, Komposition, Perspektive und Farbe ebenso wie Character-Entwicklung, Storyboarding, Concept Art und Animation. Ziel ist es, handwerkliche Fähigkeiten zu vermitteln und zugleich ein Verständnis für kreative Arbeitsprozesse zu entwickeln.

Einen besonderen Schwerpunkt legt das fundierte Theorie- und Praxisbuch auf neue digitale und räumliche Formen der Illustration. Projekte zu Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Projection Mapping eröffnen Einblicke in gestalterische Trends und zeigen, wie sich das Berufsfeld im Zuge technologischer Entwicklungen erweitert.

Wir haben die Neuerscheinung zum Anlass für ein Gespräch mit der Autorin genommen. Darin erzählt sie, wie Bilder Geschichten erzählen, Menschen berühren und neue Perspektiven eröffnen können. Außerdem verrät sie, welche Projekte sie geprägt haben, warum sie ihren Stil noch immer weiterentwickelt und welche Tipps sie angehenden Illustrator:innen mit auf den Weg gibt.

Bergmann, Roberta
Die Grundlagen der Illustration Buch

CHF 40.00 CHF 34.00*

Das Wort «Illustration» kommt vom lateinischen Wort für «etwas erleuchten» (illustrare). Was bedeutet das für dich persönlich und deine Arbeit?

Die Illustration macht Inhalte «sichtbar», sie bringt so Licht ins Dunkel, daher wohl auch der lateinische Wortursprung. 

Illustrationen erzählen immer eine Geschichte, auch wenn sie ganz frei gestaltet sind. Mit Illustrationen kann man nicht Sichtbares auf visueller Ebene beschreiben, erklären, verdeutlichen und (neu) interpretieren. Das Feld der Illustration ist so vielschichtig, es gibt so viele Möglichkeiten als Illustrator:in zu arbeiten, dass ich dachte, darüber würde ich gern mal ein Sachbuch schreiben und diese Vielfältigkeit den Lesenden näher bringen. Diese Vielfalt wollte ich mit möglichst vielen Stilen im Buch abbilden, also habe ich über 60 Illustrator:innen gefragt, ob sie Teil des Buches werden möchten. Bestenfalls entsteht dadurch die Lust beim Lesenden, es selbst mal mit dem Illustrieren zu probieren!

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Ein von Roberta Bergmann entwickelter Katzen-Character him Wohnzimmer-Setting inszeniert. 

Für mich persönlich ist die Illustration eine Ausdrucksmöglichkeit, meine visuelle Stimme, mit der ich meine Gedanken, Gefühle und Inhalte, über die ich sprechen möchte, anderen besser verdeutlichen kann. Mit meinen Illustrationen möchte ich Menschen berühren, sie begeistern und zum Nachdenken anregen. Ich liebe es, eigene Geschichten oder die Geschichten von anderen Autor:innen zu illustrieren und dem Text dadurch eine zusätzliche visuelle Interpretationsebene hinzuzufügen.

Gibt es eine Geschichte, die du schon lange illustrieren wolltest, aber bis jetzt noch nicht dazu gekommen bist?

Ja, die gibt es. Ich habe ganz fest vor, sie im nächsten Jahr in Angriff zu nehmen. Es ist ein Text, den ich selbst entwickeln möchte und der ganz viel mit Kreativität und Kunst zu tun hat. Mehr möchte ich noch nicht verraten, aber ich freue mich sehr darauf, wenn ich endlich anfangen kann, diese Geschichte in Text und Bild zu erzählen und dann auch zu veröffentlichen.

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Selbstporträt der Autorin für das Buch «Laternenträume. Gedichte von Wolfgang Borchert», erschienen im Kunstanstifter Verlag

 

Was ist der coolste Illustrations-Auftrag, den du bisher umsetzen durftest?

Hmm, das ist schwer. Ich arbeite ja schon seit meinem Studium als Illustratorin. Es gab schon viele tolle Projekte, die ich heute auch immer noch sehr gern mag und zum Beispiel in meinen Illustrationsworkshops zeige, um zu erklären, wie ich an einen Illustrationsauftrag herangehe. 

Eins meiner ersten Illustrationsprojekte war das Gedicht «Kurt Schmidt statt einer Ballade» von Erich Kästner, was aber nie veröffentlicht wurde. Ich habe dieses Gedicht als 28-seitiges-Buchkonzept in der Technik des Holzschnitt illustriert. Das ist fast ein Viertel-Jahrhundert her! 

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«Kurt Schmidt statt einer Ballade» in Holzschnitt-Technik illustriert
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Mein aktuellstes Illustrationsprojekt ist das Buch «Laternenträume» mit Gedichten von Wolfgang Borchert, welches ist mit Buntstift, Blaupapier, Pinsel, Feder und Tusche illustriert habe. Es ist 2024 im kunstanstifter verlag erschienen und hat viele Auszeichnungen für die Buchgestaltung und die Illustrationen gewonnen, was mich sehr, sehr freut!

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Making of: Illustration mit Moosgummi und Tusche für das Buch «Laternenträume» mit Gedichten von Wolfgang Borchert.

 

Wie hast du zu deinem eigenen Stil gefunden? Wie würdest du deinen Stil bezeichnen?

Das ist die Gretchenfrage! Und ich sage Dir: Die meisten Illustrator:innen wissen nicht, ob sie einen Stil haben und wenn ja, wie sie ihn beschreiben sollen. Das können Außenstehende meistens viel besser beurteilen als man selbst (lacht). 

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Roberta Bergmann zeichnet mit Feder und Tusche in ihrem Atelier.

 

Ich glaube, man findet zu seinem Stil, indem man ganz viel experimentiert und Techniken, Materialien ausprobiert. Auch andere zu imitieren, ist am Anfang total okay. Denn dadurch lernt man viel über sich selbst und was man mag und was nicht – und was man kann und was nicht (lacht). Durchs Machen und Üben entsteht irgendwann eine Routine und eine gewisse Sicherheit im eigenen Strich. Dann denkt man nicht mehr so viel darüber nach, wie man jetzt etwas illustrieren könnte, sondern man setzt schnell(er) um, als noch am Anfang. Daraus ergibt sich auch ein Duktus (wie wird der Strich geführt, welches Werkzeug oder welche Technik nutze ich), eine Vorliebe für Farben, Kontraste, Strichstärken und so weiter. Ich denke, es braucht schon viel Zeit, bis man vom „eigenen Stil“ sprechen kann. Manchmal denke ich, ich suche meinen Stil immer noch, obwohl ich schon so lange zeichne und illustriere. Ein Stil ist ja auch nicht in Stein gemeißelt, sondern kann sich auch jederzeit wieder verändern, weiter entwickeln oder man macht einen radikalen Schnitt und ändert den eigenen Stil um 180 Grad (das kommt aber eher selten vor). 

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Designstudentin Emma E. Adriaans hat an einem Nachmittag auf Roberta Bergmanns Atelierfußboden eine von ihr gezeichnete Figur mit der App Stop Motion Studio animiert. Den fertigen Film kann man auf Roberta Bergmanns YouTube-Kanal sehen.

Wenn du für den Rest deines Lebens nur noch drei Mal- und Zeichenwerkzeuge verwenden dürftest: für welche würdest du dich entscheiden?

Wenn ich nur noch drei Mal- und Zeichenwerkzeuge hätte, dann wäre das Tusche, Feder und Pinsel. Aus der Tusche kann ich ja mit Wasser noch die verschiedenen Grauabstufungen mischen und schon habe ich alles, um zu visualisieren.

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Roberta zeichnet mit Feder und Tusche für das Buch «Laternenträume».

 

Wie stehst du dazu, dass auch immer mehr künstlerische Tätigkeiten von KI übernommen werden?

Davon halte ich ehrlich gesagt persönlich gar nichts. Ich finde es ethisch nicht vertretbar, eine generative KI zu benutzen, die mit Daten von Kreativen unrechtmäßig trainiert wurde (und das sind die meisten). Auch ist es eine enorme Energieverschwendung und schädigt unseren Planeten. Das wäre vermeidbar gewesen. 

In meinem Buch ist das KI-Thema deshalb nur ganz kurz beschrieben, weil wir es zumindest erwähnen und nicht ganz außen vor lassen wollten. Aber ich möchte betonen, dass ich finde, dass künstlerische oder kreative Tätigkeiten weiterhin von Menschen ausgeführt werden sollten, denn auch nur dann hat es etwas Originäres und eben, ja, Menschliches, Lebendiges.

Was würdest du jemandem mit an die Hand geben, der oder die Illustrator:in werden möchte?

Ich würde dieser Person als Erstes mein Buch empfehlen (lacht), um ihr einen Überblick zu geben, was alles, Stand heute, möglich ist. Mit dem Buch kann sie auch erste Illustrationsversuche wagen und sich ausprobieren – in die Illustration eintauchen. 

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Illustratorin Nadine Roßa erstellt live beim «Kämpferherztreffen 2025» der Firma Novartis ein interaktives Graphic Recording, bei dem Teilnehmende des Treffens ihre Gedanken als Texte, Sketchnotes und Zeichnungen zum Thema «Meine Superpower und mein Supertool trotz Erkrankung» an die Pinnwand bringen können. So ergibt sich anschließend ein schönes Gesamtbild für die Kämpferherz-Community. Foto: © Novartis, Illustration.

 

Dann sollte sich die Person die Frage stellen: In welchem Bereich möchte sie ihr Geld mit Illustration verdienen? Und wieviel Geld möchte sie verdienen? Denn die verschiedenen Branchen, in denen man als Illustrator:in arbeiten kann, sind unterschiedlich gut oder schlecht bezahlt. Im Buchmarkt als Kinderbuch-Illustrator:in ist es zum Beispiel viel schwieriger genug Geld zum Leben zu verdienen als beispielsweise im Gaming-, Event- oder im Graphic-Recording-Bereich. Das muss man vorher wissen und prüfen, ob das für den eigenen Lebensentwurf passt.

Hast du eine Lieblings-Warm-Up-Übung im Buch?

Meine eigene Lieblings-Warm-Up-Übung ist tatsächlich Aktzeichen und das findet man auch in meinem Sachbuch als Übung wieder. Das ist perfekt, wenn man im Alltag viele Illustrationen mit Personen zeichnen muss. Aktzeichnen schult das Auge, man lernt total viel über Anatomie, Proportionen im menschlichen Körper, Verkürzungen durch Perspektive und kann auch verschiedene Materialien und Techniken ausprobieren. 20 bis 30 Minuten pro Tag, vielleicht gleich vor Arbeitsbeginn, helfen total in der Übung zu bleiben und das Sehen zu schulen. Natürlich kann man sich nicht jeden Tag ein Aktmodell leisten, das ist auch gar nicht nötig (lacht). Ich nutze zum Beispiel Online-Plattformen wie «Croquis.cafe» oder «Ges Draw Party» auf YouTube, um per Video Akt zu zeichnen. Hier werden auch verschiedene Zeiteinheiten vorgegeben, in denen man die Pose des Modells abzeichnen soll. Das ist sehr hilfreich und gibt Struktur in den zeichnerischen Abläufen. So verzettelt man sich nicht und ist zeitlich begrenzt. Und die Fortschritte beim regelmäßigen Aktzeichnen sind enorm. Leider verlernt man das Zeichnen auch wieder, wenn man aufhört zu üben! Es ist wie ein Muskel, der am besten regelmäßig trainiert wird, damit er seine Form behält.

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Aktzeichen-Session mit Feder und Tusche bei Croquis Café, Video #616, Doppelseite aus einem der DIN-A4-Skizzenbücher von Roberta Bergmann.

 

Header-Bild oben: Illustration von Roberta Bergmann aus: Selma Lagerlöf, «Herrn Arnes Schatz», erschienen im Kunstanstifter Verlag

Alle Abbildungen im Artikel: © Roberta Bergmann

 

Roberta Bergmann (*1979) studierte Kommunikationsdesign mit den Schwerpunkten Illustration und Buchgestaltung. Sie lehrt in den Bereichen Gestaltung und Kreativbusiness-Gründung. Sie war u. a. als Gastprofessorin für Gestaltungsgrundlagen an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig beschäftigt. Neben ihrer Lehrtätigkeit ist sie für verschiedene Verlage als Autorin, Illustratorin und Buchgestalterin tätig. Seit 2019 betreibt sie die Community und den Podcast «Der kreative Flow». Sie lebt als Freiberuflerin und Kreativschaffende in Braunschweig 

www.robertabergmann.de & www.derkreativeflow.de

 

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