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Extreme Pilze: Von der Wüste bis in die Antarktis

Eine bildreiche Erkundung im verborgenen Reich der Pilze

Alle Lebewesen auf der Erde haben eines gemeinsam: Sie sind auf Pilze angewiesen. Doch obwohl Pilze uns überall umgeben, wissen wir nur wenig über sie. Was sind Pilze? Wonach streben sie? Wie beeinflussen sie die Umwelt? Diesen und vielen weiteren Fragen geht der Mykologe Britt A. Bunyard in seinem Buch «Pilze» nach.

Gemessen an Biomasse und Artenvielfalt zählen Pilze zu den evolutionär erfolgreichsten und verbreitetsten Organismengruppen der Erde. Sie besiedeln nahezu jeden Lebensraum, von den höchsten Gipfeln bis in die trockensten Wüsten, von der Tiefsee bis in unsere Gärten. Pilze sind also allgegenwärtig und kein Tag vergeht, ohne dass wir Menschen mit ihnen interagieren. So begegnen sie uns etwa in Form von Krankheitserregern, Medizin oder Nahrung: vom Pilz, der buchstäblich über Nacht aus dem Laub herauswächst bis zum sensationellen Geschmack von Trüffeln. Und mit Penicillin, einem Stoff, der von Schimmelpilzen gebildet wird, begann der Siegeszug der Antibiotika und feine Pilzfäden, die sich über tausende Quadratkilometer erstrecken können, dienen unter anderem zur Kommunikation zwischen Pflanzen im Wald.

Die Welt der Pilze ist ebenso vielfältig wie faszinierend. Doch auch sie bleibt von Habitatverlust und Umweltverschmutzung nicht verschont. Umso wichtiger ist es, den Blick für diese oft verborgenen Schätze der Natur zu schärfen.

Bunyard, Britt A.; Wissmann, Jorunn (Übersetzung); Wiese, Martina (Übersetzung); Wink, Coralie (Übersetzung)
Pilze Buch

CHF 44.00 CHF 37.40*

Alles Leben auf diesem Planeten hängt miteinander zusammen, aber diese Zusammenhänge bleiben oft unbemerkt. Während Sie diese Zeilen lesen, gehen beispielsweise Mikroorganismen, die die äußeren und inneren Oberflächen Ihres Körpers zum guten Teil bedecken, ihren Tätigkeiten nach. Tatsächlich sind die meisten lebenden Zellen, die das Ökosystem Mensch ausmachen, gar keine menschlichen Zellen – die weitaus meisten sind Mikroorganismenzellen, darunter manche von Pilzen. Ähnlich ist es bei dem Baum vor Ihrem Fenster. Er besteht größtenteils aus abgestorbenen Baumzellen; die meisten lebenden Zellen, die ihn ausmachen, sind wahrscheinlich keine Baum-, ja nicht einmal Pflanzenzellen.

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Sphaerobolus stellatus auf Holzmulm. Die großen weißen Peridiolen sind «abschussbereit»; zu sehen sind auch entleerte Fruchtkörper.
Foto: Shutterstock weinkoetz

Mykorrhizen an den Baumwurzeln tragen zur Aufnahme von Wasser und Nährstoffen bei. Die beteiligten Pilze sind mit benachbarten, nicht zwangsläufig verwandten Bäumen verbunden und bilden Fruchtkörper, in denen mykophage (pilzfressende) Arthropoden leben.

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Unscheinbar, doch tödlich – Häublinge (Galerina spp.) produzieren ebenso Amatoxine wie die weitaus bekannteren Amanita-Arten.
Foto: Shutterstock NK-55

Alle Lebewesen auf dem Planeten Erde haben eines gemeinsam: Sie sind auf Pilze angewiesen. Doch obwohl Pilze uns überall umgeben, wissen wir nur wenig über sie. Die biologische Vielfalt auf unserem Planeten ist durch Habitatverlust bedroht; die immer größere Weltbevölkerung verursacht Umweltverschmutzungen, die Einschleppung invasiver Arten und andere desaströse Entwicklungen. Darum wird es immer wichtiger, sich der Schätze in der umgebenden Natur bewusst zu sein. Einer dieser Schätze sind die Pilze. 

Nach ihrer Gesamtmasse und Artenzahl bilden Pilze (neben den Insekten) wahrscheinlich die verbreitetste und evolutionär erfolgreichste Organismengruppe der Erde. Sie kommen auf allen Kontinenten vor, von den höchsten Gipfeln bis in die trockensten Wüsten, von der Tiefsee bis in unsere Gärten. Und sie machen auch an der Haustür nicht Halt, sondern gedeihen (zu unserem Leidwesen) auch in unseren Häusern. Dank neuester Mikroskopiertechniken wissen wir heute, dass Schimmel- und andere Pilze praktisch jede Nische in unserer Umwelt besiedeln und wahrscheinlich keine Pflanzen – die lange als Schlüsselorganismen für alle Lebensräume galten – längere Zeit ohne ihre Pilzpartner überdauern können. Pilze sind in der Natur die wahren Strippenzieher. Zugleich verursachen sie die meisten Krankheiten bei Pflanzen, auch jenen, auf die wir als Quellen für Nahrung, Fasern und medizinische Wirkstoffe angewiesen sind. Auch hier diktieren Pilze das Geschehen.

007_Bunyard_Pilze_9783258084558_(c)Shutterstock CKHatten

Favolaschia calocera (Orangeroter Porenhelming), ein hübscher Holzzersetzer, der heute an vielen neuen Orten und in neuen Habitaten auftaucht. Klimaveränderungen sowie internationaler Reise- und Handelsverkehr verändern die mykologische Landschaft.
Foto: Shutterstock CKHatten

Doch so entscheidend Pilze auch für unseren Planeten sind, wir schenken ihnen meist fast keine Beachtung – obwohl manche sogar Leistungen vollbringen und eine Lebensweise haben wie von einer anderen Welt. Manche Pilze tun Dinge, die wahrscheinlich Ihre Vorstellungskraft übersteigen! Sind wir aber einmal unter den richtigen Bedingungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort, werden wir vielleicht Zeugen des magischen Moments, wenn Pilze aus dem Waldboden hervortreten. Der sichtbare „Pilz“, also der Fruchtkörper, ist jedoch nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs, denn der Großteil des Pilzes bleibt im Untergrund verborgen. Die Pilze, die für uns sichtbare Fruchtkörper bilden, stellen zudem nur einen Bruchteil aller Pilzarten. Was also sind Pilze? Wonach streben sie, und wie beeinflussen sie die Umwelt?

Um das zu beantworten, empfehlen wir die Lektüre unseres Buchs. Einen kleinen Einblick in besonders "extreme Pilze" geben wir Ihnen hier im Folgenden. Viel Vergnügen beim Abtauchen in die Welt der Wüsten- und Antarktispilze:

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Psilocybe cubensis, eine psychoaktive Pilzart, in Kultur
Foto: Shutterstock anitram

Extreme Pilze

Auf der ganzen Erde gibt es keinen Ort, den Pilze nicht dominieren oder zumindest besiedeln. Natürlich finden sich Pilze am häufigsten in terrestrischen Lebensräumen, aber es gibt auch Arten, die sich an extremere Lebensräume angepasst haben.

Überall, wo ein gemäßigtes feuchtes Klima Leben begünstigt, kommen Pilze zum Vorschein – sie schießen auffällig aus dem Boden und verrottendem Holz. In den feuchtheißen Tropen bedecken Pilze und Flechten jede Oberfläche (und einander), doch auch in viel trockeneren Gegenden der Welt stößt man auf sie. Auch wenn sie jahrelang oder gar jahrhundertelang im Boden verborgen bleiben können, existieren sie auch in den Great Plains Nordamerikas, im Mittelmeerraum, im glutheißen Landesinneren von Australien und sogar im Death Valley in Kalifornien. Dort tun sie nur das Nötigste, um am Leben zu bleiben. Noch verblüffender ist wohl, dass es auch an der permanent vereisten und windgepeitschten Felsküste der Antarktis Pilze gibt. Tatsächlich dominieren Pilze neben Meeresvögeln das Leben in dieser extremen Umwelt, wobei Sie wahrscheinlich nur dann welche entdecken werden, wenn Sie wissen, wo Sie suchen müssen.

Wüstenpilze

In Wüsten sind Pilze jahraus, jahrein vorhanden, aber viele von ihnen bilden nur selten Fruchtkörper. Wüstenpilze erscheinen nur nach seltenen Regenfällen, worauf sie im Handumdrehen von Pilzenthusiasten entdeckt werden, die sie glücklich von ihrer „Life List“ streichen – so wie Ornitholog:innen, die nach seltenen Vögeln suchen, um ihre Artenliste zu vervollständigen. Doch obwohl sie Raritäten sind und interessante Anpassungen offenbaren, die ihnen ermöglichen, in einer ariden Umgebung zu gedeihen, machen diese sonderbaren Pilze äußerlich nicht viel her. Der Selektionsdruck hat bewirkt, dass sie alle praktisch gleich aussehen – ein bovistartiger geschlossener Hut auf einem langen Stiel, der oft sehr tief im Boden sitzt (wahrscheinlich wurzelt er in einem feuchten Bereich weit unter der Erdoberfläche). Viele dieser Pilze besitzen zwar Lamellen, doch diese bilden sich nie vollständig aus und die Hüte öffnen sich nie, denn dann würden die zarten Lamellen und die Fruchtschicht sofort vertrocknen. Zu den Wüstenpilzen gehören Arten von Battarrea, Podaxis und Tulastoma, die in ariden Lebensräumen Australiens, Nordamerikas und Europas verbreitet vorkommen, sowie Wüstentrüffeln wie Terfezia und Tirmania (wobei diese ihr Leben lang im Erdboden bleiben, sogar wenn sie Fruchtkörper bilden). Mikropilze in der Bodenkruste („Soil Crust Fungi“) sind in ariden Regionen häufiger als Großpilze, doch genauso rätselhaft, und wir beginnen erst zu verstehen, wie wichtig sie für ihr Ökosystem sind. Viele von ihnen sind eigentlich winzige Flechten, die miteinander „verkleben“ und den Boden stabilisieren; sie binden sogar Stickstoff aus der Atmosphäre und führen ariden Böden somit essenziele Nährstoffe zu. Biologische Bodenkrusten in Wüsten werden leicht durch Nutztiere und Fahrzeuge von Tourist:innen zerstört und wachsen extrem langsam wieder nach.

Endolithische Pilze

Der vermutlich allerletzte Ort, an dem Sie nach Pilzen suchen würden, ist die Antarktis. Zweifellos ist dies der problematischste Lebensraum für Pilze – oder besser, für alle Lebewesen. Es ist nicht nur ständig kalt, trocken und windig, sondern im Winterhalbjahr auch fast durchgehend dunkel. Im Sommer scheint dagegen rund um die Uhr die Sonne, verbunden mit intensiver UV-Strahlung wegen der dünnen Ozonschicht. Doch auch hier, wie überall auf der Erde, gelingt es Pilzen, irgendwie zu überleben – dank äußerster Anpassungsfähigkeit, immer nah am Tod und mit seltenen Gelegenheiten zur Fortpflanzung. Saprobionten finden hier kaum Nahrung, aber koprophile Pilze haben sich daran angepasst, vom Kot der Meeresvögel zu leben. Die meisten Pilze kommen hier jedoch in Form von Flechten vor, und diese sind die dominierenden Primärproduzenten der Region. Da in der Antarktis extreme Lebensbedingungen herrschen, haben sich die Flechten zu Endolithen entwickelt – sie leben (verblüffenderweise) im exponierten porösen Gestein. Kolonien endolithischer Pilze erkennt man an unterschiedlich gefärbten Bändern im Fels: Ein schwarzes Band besteht aus melanisierten Flechten und nicht lichenisierten Pilzen (das Melanin schützt vor der intensiven UV-Strahlung); darunter kann sich eine grüne Schicht aus nicht lichenisierten Photosynthese treibenden Algen und Cyanobakterien befinden. Diese bizarre Lebensform wurde zwar erst in den 1980er-Jahren entdeckt, doch heute betrachtet man endolithische Pilze als erstaunlich bedeutsame Forschungsobjekte. Warum? Weil es die These gibt, dass die Bedingungen in der Antarktis – extrem niedrige Temperaturen, rasche Verdunstung und hohe Sonneneinstrahlung – denjenigen auf dem jungen Mars ähneln könnten.

Britt A. Bunyard ist ein amerikanischer Mykologe. Er ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Fungi, dem auflagenstärksten Mykologie-Magazin Nordamerikas, und hat zahlreiche Bücher zum Thema Pilze verfasst. Ausserdem ist er Geschäftsführer des Telluride Mushroom Festivals in Colorado, das jährlich Tausende Besucher:innen anzieht. «Pilze. Das verborgene Reich der geheimnisvollen Lebewesen» ist sein erstes Buch, das in deutscher Sprache erscheint.

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Lesestoff zum Thema

Bunyard, Britt A.; Wissmann, Jorunn (Übersetzung); Wiese, Martina (Übersetzung); Wink, Coralie (Übersetzung)
Pilze Buch

CHF 44.00 CHF 37.40*
Winkler, Rudolf; Keller, Gaby; Montalta-Graf, Margrith
Pilze Mitteleuropas Buch

CHF 159.00*
Haupt Verlag; Lüder, Rita (Fotografien)
Einheimische Pilze – das Memo-Spiel Spielware

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Haupt Verlag; Lüder, Rita (Fotografien)
Einheimische Pilze – das Quartett-Spiel Spielware

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