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Der Steinbock: Im Gespräch mit Autor Flurin Filli

Majestätisch, trittsicher und ein Symboltier der Alpen - der Steinbock fasziniert die Menschen seit jeher. 

Das Buch «Der Steinbock» von Flurin Filli beschreibt sowohl Biologie und Lebensweise als auch die Herausforderungen, die das raue Gebirgsklima an den Steinbock stellt.


Woher kommt Ihre Faszination für den Steinbock? Und wie kam es dazu, dieser Tierart ein eigenes Buch zu widmen?

Ich interessiere mich für viele verschiedene Tierarten. Von den Steinbockpopulationen liegen gute Datenreihen über die Bestandsentwicklung vor. Dies war eine einmalige Möglichkeit theoretische Populationsmodelle mit der tatsächlichen Entwicklung zu vergleichen. So kam ich zum Steinbock. So habe ich meine Dissertation zur Populationsentwicklung und dem Management der Steinböcke gemacht. Später stand der Steinbock in Bezug zu seinem Lebensraum im Vordergrund.

Eine aktuelle Steinbockmonographie fehlte. In den letzten 20 Jahren sind so viele neue Erkenntnisse zu dieser faszinierenden Art gewonnen worden. Diese müssen einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

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Foto: Typische Steinbocklebensräume in der Val Chamuera. © claudiogotsch.com
Filli, Flurin
Der Steinbock Book

CHF 48.00 CHF 40.80*

Welche Aufgaben übernimmt der Steinbock in unserem Ökosystem? 

In der Natur haben einzelne Arten keine Aufgaben, die sie lösen müssen. Diese Art zu denken, kommt aus unserer Kultur, alles muss einen Zweck haben, sonst hat es keinen Wert. Steinböcke leben in den höchsten Lagen der Berge, nutzen die vorhandenen Ressourcen und wenn sie einmal sterben, sind sie Nahrung für andere Lebenwesen.

Wie kommunizieren Steinböcke untereinander und mit ihrer Umwelt?

Steinböcke kommunizieren untereinander nicht so oft wie Menschen. Tritt etwas unerwartetes auf, stossen sie kurze Pfiffe aus. Diese warnen die Artgenoss:innen und auch die Gefahrenquelle weiss, dass sie wahrgenommen wurde. Die Kitze kommunizieren mit ihren Müttern mit einem Meckern, das dem der Ziegen ähnelt.

Die nonverbale Kommunikation spielt eine grössere Rolle. So spielt die Körperhaltung eine wichtige Rolle. Während der Brunft wird auch übere Pheromone kommuniziert.

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Foto: Das Zungenflippern des Bocks ist Teil seines Werbeverhaltens. © claudiogotsch.com

 

Welche Funktionen haben die Hörner der Steinböcke, und was sagen sie über Alter oder Rang eines Tieres aus?

Die Hörner der Steinböcke wachsen ein Leben lang. Es ist für die Geissen wichtig, dass sie sich mit einem Bock paaren, der sich lange in diesem unwirtlichen Lebensraum behauptet hat. Sie können anhand der Körpergrösse und der Hornlänge das Alter der Böcke ablesen.

Anhand der Körpergrösse und der Hornlängen wissen auch die Böcke, wer wie stark ist. So ist die Rangfolge im Rudel in vielen Fällen klar. Nur zwei gleich starke Böcke müssen sich im direkten Kampf noch messen. So sparen die Böcke viel Energie und können gut in grösseren Rudeln mit geklärten Verhältnissen zusammen leben.

Welche besonderen Anpassungen machen den Steinbock zum perfekten Bewohner der Alpen?

Steinböcke haben sich im Laufe der Evolution hervorragend an das Leben im Gebirge angepasst. Sie können mit einem bescheidenen Nahrungsangebot auskommen und haben ihr Sozialverhalten so optimiert, dass sie möglichst wenig Energie verbrauchen. So können sie im Frühwinter brunften, ohne anschliessend ihre Reserven für den Winter wieder nachbessern zu müssen.

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Foto: Bei den Wanderungen zwischen Sommer und Wintereinstand können auch Wälder durchquert werden. Das geschieht allerdings selten. © claudiogotsch.com

 

Wie steht es heute um die Bestände der Steinböcke, und welche Herausforderungen gibt es aktuell?

Zahlenmässig stehen die heutigen Bestände gut da. Die genetischen Probleme sind erkannt und die möglichen Massnahmen werden getroffen. Die Entwicklung der Bestände wird von den verantwortlichen Institutionen sorgfältig überwacht.

Die Steinböcke sind zusammen mit allen Arten alpiner Lebensräume vom Klimawandel und von den zunehmenden menschlichen Störungen, vor allem im Winter betroffen. Der Klimawandel ist ein globales Problem. Die Störungen im Winter könnten durch weniger menschliche Aktivitäten reduziert werden.

Wo und wie kann ich Steinböcke beobachten?

Im Buch sind verschiedene Wanderungen vorgestellt, auf denen man Steinböcke beobachten kann. Es ist wichtig, dass man sich auf diese Wanderungen im Gebirge entsprechend vorbereitet. Für das Beobachten der Steinböcke sind ein guter Feldstecher und ein Spektiv empfehlenswert.

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Foto: Auch im Jura finden Steinböcke die notwenigen Strukturen, so zum Beispiel am Creux du Van. © Fabian Riedi

 

Welche Botschaft(en) möchten Sie mit dem Buch vermitteln?

Der Steinbock ist eine spannende Art. Sie lebt unspektakulär in einer spektakulären Umwelt. Sie ist aber auch ein Vorzeigebeispiel für das Zusammenspiel von Naturschutz und Nutzung, was schlussendlich zur Rettung und Wiederansiedlung der Art geführt hat.

Was war das faszinierendste Erlebnis, dass Sie in Verbindung mit einem oder mehreren Steinböcken erlebt haben?


Flurin Filli (1961) hat an der Universität Zürich Zoologie studiert und an Technischen Universität München als Wildbiologe promoviert. Er hat sich immer für die Ökologie und das Management von Huftieren im Alpenraum interessiert. Er ist heute Stellvertretender Direktor des Schweizerischen Nationalparks und hat in dieser Funktion verschiedene Projekte an Steinbock, Rothirsch und Gämse betreut. Zudem war er Lehrbeauftragter an der Universität für Bodenkultur in Wien.