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The Artist's Toolkit: HauptAutorinnen Käthe Wenzel und Nadja Driller im Interview

Eine prall gefüllte Werkzeugkiste für Macherinnen und Künstler

Mit «The Artist’s Toolkit» präsentieren Käthe Wenzel und Nadja Driller eine massgeschneiderte künstlerische Werkzeugkiste für jede kreative Herausforderung – randvoll mit Strategien, um Ideen zu finden, neue Materialien zu erkunden, Blockaden zu überwinden und Menschen zu erreichen. 

Allem voran bieten die Autorinnen in diesem Buch Unterstützung dabei, etwas über die eigenen persönlichen Arbeitsweisen herauszufinden. Sei es bei der Wahl der Materialien oder Methoden als auch beim Herausfinden, unter welchen Bedingungen und in welchen Situationen man am besten kreativ sein kann. Dabei gehen sie auch auf den Umgang mit den Krisen ein, die zu jedem kreativen Prozess gehören. 

Erkenntnisse aus der Kreativitätsforschung, der Kunsttheorie, den Neurowissenschaften und langjähriger Erfahrung in Kunst und Lehre verbinden sie mit praktischen Übungen, inspirierenden Tipps und fundiertem Wissen. Dazu gibt es jede Menge Zusatzmaterial auf Käthe Wenzels und Nadja Drillers Kunst-Podcast, um die künstlerische Werkzeugkiste weiter zu füllen.

Wer dieses Buch durchgearbeitet hat, weiss, ob die Inspiration beim Staubsaugen oder beim Tram-Fahren mit dem Hund einschlägt, macht enthusiastisch Fehler und hat ein laufendes Skizzenbuch, das platzt vor Fundstücken und Ideen.

Wir haben die beiden Autorinnen zum Interview getroffen:

Wenzel, Käthe; Driller, Nadja
The Artist's Toolkit Book

CHF 36.00 CHF 30.60*

Wie haben Sie beide sich kennengelernt und wie kam es dazu, dass Sie dieses Buch geschrieben haben?

Nadja Driller: Seit 5 Jahren arbeite ich für und mit Käthe an der Europa Universität Flensburg zusammen in der Abteilung Kunst, Praxis und Kontext. Dort lehren wir beide unter anderem das «künstlerische Projekt», ein semesterübergreifendes Seminar für Lehramtstudis, das dazu dient, sich auszuprobieren und eine eigene künstlerische Haltung zu entwickeln. Kurz nachdem ich meine Stelle antrat, brach Covid aus – eine reale Krise. Wir entwickelten den Podcast:  «The artists toolkit», ein Selbstlernprogramm zum mit-nachhause-nehmen. Der Podcast thematisiert vor allem die Krisen, die Käthe und mir in der Arbeit mit den Studierenden im künstlerischen Projekt immer wieder aufgefallen sind. Inspiration, Feststecken, Zugänge… 

Käthe Wenzel: Genau: Wir kennen uns über die Arbeit. Als Nadja bei uns vorgesprochen hat, hab ich nur gedacht – in dem Kopf ist das Licht an. Mit der will ich arbeiten. Und das hat sich dann mit dem Podcast und beim Buch total bestätigt.

016_Wenzel-Driller_Artists Toolit_9783258602974_(c)Nadja Driller und Kthe Wenzel

Der Umgang mit Krisen nimmt im Buch einen großen Stellenwert ein. Erinnern Sie sich jeweils an eine Krise, die Sie besonders geprägt hat?

Käthe Wenzel: Der Podcast und das Buch selbst sind aus der Krisenzeit der Pandemie entstanden. Ich wäre von allein nie auf das Podcast-Format gekommen – ich spreche lieber direkt mit Leuten, die antworten und reagieren und mir und sich gegenseitig ins Wort fallen. Aber das ging während Corona nicht. Die Online-Seminare bei uns an der Uni waren anstrengend, und darum habe ich angefangen, Kurzvorträge für die Studis einzusprechen, die wir dann im Online-Meeting als Diskussionsgrundlage benutzt haben. Und das lief so gut – besser als im Seminar! Die Studis haben in der Sitzung den Podcast zitiert und konnten sich Dinge merken, die ich sonst 5x sage, oder 10x. Ich war baff. Aber wir wollen unsere Studis da abholen, wo sie sind, und daraus haben sich der Podcast und das Buch entwickelt.

Persönlich denke ich, dass man, sobald man mit Material arbeitet, grundsätzlich Krisen erlebt, weil Material fast nie so ganz das tut, was man von ihm will, oder eben erst nach längeren Verhandlungen. Und beim künstlerischen Arbeiten kommt man immer an persönliche Grenzen – weil man sich zu viel vornimmt, sich unter Druck setzt, Dinge nicht laufen wie gedacht – und damit muss man immer wieder neu zurecht kommen. Das ist halt wie das ganze Leben, nur nochmal im Konzentrat, als Brühwürfel. Und dabei wollten wir unseren Studis, aber auch den Kolleg:innen und uns selbst weiter helfen. Tatsächlich passiert es öfters, dass ich herumfluche, weil ich künstlerisch wieder mit irgendetwas feststecke, und dann sagt Katja, meine Frau: «Hör den Podcast. Guck ins Buch!»

Nadja Driller: Für mich war schon in der Schule ein leeres Blatt Papier eine totale Krise – vor allem, wenn darauf der Anfang von etwas Neuem oder ganz Bestimmtem entstehen sollte. Lange dachte ich, ich sei nicht kreativ, weil ich nicht einfach bei Null anfangen kann. Mittlerweile weiß ich: Bei Null beginnt man nie und das ist auch gut so. Wir alle beginnen von unterschiedlichen Orten aus, etwas zu machen.

120_Wenzel-Driller_Artists Toolit_9783258602974_(c)Nadja Driller und Kthe Wenzel

Können Sie sich an einen besonders schönen Moment mit einer Studentin/einem Studenten erinnern, der/dem eine Übung aus dem Buch geholfen hat?

Nadja Driller: Mich freut es, wenn Studierende es schaffen, über einen längeren Zeitraum bei einer Sache zu bleiben – zum Beispiel etwas zu notieren (Notationsübung) oder sich mit einem anderen Lebewesen verwandt zu machen (Dialogübung), ohne genau zu wissen, wohin es führt. Diese Übungen erzeugen eine Form von Langsamkeit, aber auch eine Fülle an Material. Eine Studentin beobachtete mehrere Monate lang eine Spinne in ihrem Zimmer und skizzierte ihre Bewegungen. Anfangs hatte sie Angst vor ihr und ekelte sich. Nach ein paar Tagen gab sie ihr einen Namen. Nach einigen Wochen war die Angst verflogen – und auch die Skizzen wurden zunehmend präziser.

Käthe Wenzel: Gerade im ersten Semester, wenn alles noch neu ist, machen viele Studis sich Sorgen, weil sie z.B. nicht fotorealistisch malen oder zeichnen können. Das ist so eine Idealvorstellung, das Glanzlicht auf dem Äpfelchen. Aber darum geht es in der zeitgenössischen künstlerischen Auseinandersetzung gar nicht mehr. Es geht mehr um die sichtbaren oder unsichtbaren Mechanismen der Welt und der Gesellschaft, um Eingriffe in Systeme und Realitäten. Deshalb mache ich wahnsinnig gern die Kontextverschiebung: Nehmt einen Gegenstand aus dem Seminarraum, oder eine Handlung, und platziert ihn an einem anderen, völlig unpassenden Ort. Das macht viel Spaß, es wird viel gelacht, und dann entstehen die absurdesten aber auch spannendsten Momente, wenn auf dem Klo das Klopapier mit der Säge abgesägt wird, im Blumenbeet Schraubenzieher wachsen, oder jemand die Zimmerdecke bohnert.

140_Wenzel-Driller_Artists Toolit_9783258602974_(c)Nadja Driller und Kthe Wenzel

Mögen Sie hier mit uns teilen, in welchen Situationen Sie am besten kreativ sein können?

Nadja Driller: Am allerbesten ist natürlich die reine Langeweile! Leider kommt die nur sehr selten. Was dann manchmal funktioniert ist ein Chaos, in dem bekannte Ordnungen nicht mehr möglich erscheinen.  

Käthe Wenzel: Am liebsten sitze ich völlig pflichtvergessen im Café und kritzele in meinem Notizbuch vor mich hin. Oder ohne Ziel durch die Stadt zu wandern oder zu fahren, am besten mit der Tram oder der S-Bahn. 

Sie empfehlen, ein Skizzenbuch mit sich zu führen und täglich etwas darin festzuhalten. Warum?

Nadja Driller: …weil wir uns so täglich daran erinnern, dass wir in einer ziemlich aufregenden Welt leben, die wir mitgestalten können.

Käthe Wenzel: Um die künstlerische Aufmerksamkeit wach zu halten. Wir haben alle so viel zu tun und zu organisieren, dass die künstlerische Aufmerksamkeit im Geröll der Termine verschüttet wird. Wenn du aber immer auf Ausschau, immer auf der Suche bist nach dem, was spannend, anziehend und interessant ist – in das du verliebt sein kannst – bleibst du künstlerisch wach – «awake to love and beauty» hat der Dichter Coleridge das genannt.

101_Wenzel-Driller_Artists Toolit_9783258602974_(c)Nadja Driller und Kthe Wenzel

Haben Sie eine Lieblingsübung im Buch?

Nadja Driller: Die Feststeckliste! Wenn man die einmal verinnerlicht hat, könnte man theoretisch Berge versetzen. 

Käthe Wenzel: Ich mag alle Variationen von Malmaschinen und Malprothesen – den Mixer zum Malgerät umbauen, sich Pinsel ans Knie pflastern usw.. Die kommen lustigerweise auch auf unserem Instagram-Kanal gut an.

Was würden Sie jemandem raten, der oder die gerade kreativ blockiert ist? (Außer, dass er oder sie das Buch lesen soll 😉)

Nadja Driller: Die Hauptfrage ist immer: Muss ich näher heran – oder brauche ich Abstand? Brauche ich gerade mehr – mehr Input, mehr Material, mehr Gespräche, noch ein Kapitel aus «The Artist’s Toolkit»? Oder brauche ich weniger? Wenn Letzteres der Fall ist, sollte diese Person vielleicht unser Buch und ihr Endgerät beiseitelegen und einfach eine Pause machen.

Käthe Wenzel: Dem habe ich nichts hinzuzufügen ☺️

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Alle Fotos: Käthe Wenzel und Nadja Driller

Käthe Wenzel ist Künstlerin und Professorin für Ästhetische Praxis an der Europa-Universität Flensburg und weltweit mit Projekten im öffentlichen Raum unterwegs. Sie war Fulbright Exchange Scholar und Gastprofessorin an der School of Visual Arts, New York, Senior Fellow am IFK/Kunst-Universität Linz in Wien, und ist in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten.

Nadja Driller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ästhetische Wissenschaft und Praxis an der Europa-Universität Flensburg. Aus der Architektur und dem Bühnenbild kommend, forscht, lehrt und arbeitet sie mit künstlerischen Strategien im Spannungsfeld von Raum, Material und Dialog.

 

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