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Gartenbotanik: Von der Wurzel bis zur Frucht

Eine Fundgrube für alle Gärtnernden, die ihre Pflanzen besser verstehen und pflegen möchten!

Wie ist eine Pflanze aufgebaut? Was passiert im Inneren eines Samens, nachdem er gepflanzt wurde? Weshalb brauchen manche Pflanzen Licht und manche Schatten? Woher wissen sie, wohin sie wachsen sollen, und wie passen sie sich an ihre Umwelt an?
Das Buch «Gartenbotanik» von Margot und Roland Spohn beantwortet diese und viele weitere Fragen rund ums Thema Pflanzen. Leicht verständlich und mit zahlreichen Fotos und Illustrationen vermittelt es zentrale botanische Grundkenntnisse von der Anatomie bis zu den Gründen für Schädlingsbefall und zeigt auf, wie dieses Wissen im eigenen Garten angewendet werden kann.
Eine Fundgrube für alle, die ihre Pflanzen besser verstehen und pflegen möchten!

Nachfolgend blättern wir uns durch das Buch durch, besuchen einzelne Pflanzenteile und widmen uns ausgewählten Fakten von Wurzel bis Frucht.


Illustrationen: © Roland Spohn
Fotos: © Margot & Roland Spohn (sofern nicht anders angegeben)


Spohn, Margot; Spohn, Roland
Gartenbotanik Buch

CHF 34.00 CHF 28.90*

WURZEL
Wurzeln an ungewohnter Stelle

Nicht immer sitzen Wurzeln von vornherein am unteren Ende der Sprossachse. Adventivwurzeln bilden sich an anderen Stellen aus Nicht-Wurzelgewebe. Häufig entstehen sie als sprossbürtige Wurzeln an den Sprossachsen. Bei Mais (Zea mays) und anderen hochwachsenden Gräsern wachsen sie regelmäßig als Stützwurzeln aus den untersten Knoten der Halme und stabilisieren die Pflanze. Bei anderen Pflanzen lösen erst widrige Umstände, etwa eine Wunde oder eine Überschwemmung, die Bildung von neuen Wurzeln aus. Sie können ihnen – wie beim Indischen Springkraut (Impatiens glandulifera) – auf sumpfigem Boden Halt geben oder verloren gegangene Wurzeln ersetzen, um Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Auch Kriechsprosse, Ausläufer oder umgefallene Pflanzen können Adventivwurzeln entwickeln. So bewurzeln sich regelmäßig die Jungpflanzen an den Spitzen der Ausläufer von Erdbeeren (Fragaria), Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina) oder Kriechendem Günsel (Ajuga reptans) sowie auf dem Boden liegende Triebe von Immergrün (Vinca) und Pfennigkraut (Lysimachia nummularia).

Bei der vegetativen Vermehrung über Stecklinge nutzt man die Fähigkeit von Sprossachsen, Adventivwurzeln zu bilden. Wurzeln, die sich bei der Bewurzelung eines Stecklings im Wasser bilden, werden oft als «Wasserwurzeln» bezeichnet. Es handelt sich jedoch um keinen besonderen Wurzeltyp; solche Wurzeln bilden im Gegensatz zu den «normalen» Erdwurzeln lediglich kleine Wurzelhaare, sind weniger verzweigt und noch nicht verholzt. Entsprechend hergezogene Jungpflanzen gelten als besonders geeignet für Hydrokultur. In Erde gepflanzt, müssen solche Stecklinge sorgsam behandelt werden: Ihre Wurzeln sind weich und empfindlich und brechen leicht ab. Damit sich das Wurzelsystem auf Erdkultur umstellen kann, muss die Erde gleichmäßig feucht gehalten werden. Sie darf jedoch nicht verschlämmen, da sonst keine Luft mehr an die Wurzeln kommt.

Einige Kletterpflanzen wie Efeu (Hedera helix), Kletter-Hortensie (Hydrangea anomala) und Amerikanische Klettertrompete (Campsis radicans) nutzen Adventivwurzeln an den Sprossachsen zur Verankerung (Wurzelkletterer). Ihre Haftwurzeln werden noch in der Luft auf der lichtabgewandten Seite des Sprosses angelegt. Sie «saugen» sich fest, sobald sie mit einer Unterlage – egal ob Baumrinde Junge Haftwurzeln von Efeu oder Hauswand – in Berührung kommen. Der Efeu scheidet hierzu klebrige Tröpfchen an den Enden der Wurzelhaare aus, die eintrocknen, sobald sie mit dem Substrat in Kontakt kommen. Diese Wurzelkletterer sind keine Schmarotzer. Ihre Haftwurzeln dienen nicht dazu, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, und dringen auch nicht in die Rinde von Stützbäumen ein. An einer dauerhaft feuchten Wand oder in einer erdgefüllten Ritze verhalten sie sich jedoch wie Nährwurzeln und können Schäden am Bauwerk verursachen.

rgb-031_Spohn_Gartenbotanik_(c)Margot und Roland Spohn
So sehen junge Haftwurzel von Efeu aus.

 

SPROSSACHSE
Lang, dünn und biegsam

Kletterpflanzen sparen sich das Baumaterial für stabile, von selbst stehende Sprossachsen und können dadurch ihre Blätter und Blüten mit besonders wenig Aufwand zum Licht bringen. Ihre Sprossachsen sind in der Regel so gebaut, dass sie Zug und Druck aushalten und sich extrem biegen lassen, ohne zu brechen. Schlingpflanzen bilden Sprossachsen mit langen Internodien und winden sich damit um ihre Stützen. Hopfen (Humulus lupulus) windet sich in einer Vegetationsperiode bis zu 10 m in die Höhe. Seine Sprosse tragen zusätzlich T-förmige Klimmhaare, damit sie nicht abrutschen. Viele Kletterpflanzen halten sich als Rankenkletterer mit dünnen, fadenförmigen Gebilden aus umgewandelten Blättern oder Sprossen dauerhaft an der Kletterhilfe fest. Bei der Weinrebe (Vitis vinifera) und den Jungfernreben (Parthenocissus) sind die Enden von Seitensprossen zu Sprossranken umgebildet. Sie stehen je gegenüber eines Blattes. Bei Passionsblumen (Passiflora) entspringen die Sprossranken aus den Blattachseln.

Junge Ranken führen kreisende Suchbewegungen aus und krümmen sich ein, wenn sie auf einen geeigneten Halt treffen. Damit sie fest sitzen, umwickeln die Ranken die Stütze oder sie bilden Haftscheiben aus. Oft rollt sich die Ranke außerdem noch ein, sodass der Spross elastisch an der Unterlage federt. Kletterrosen (Rosa) und Brombeeren (Rubus fruticosus agg.) dagegen schwingen sich als Spreizklimmer in die Höhe. Ihre sparrigen, ziemlich steifen Sprosse (Klimmsprosse) verfangen sich an Stützen wie Astgabeln oder Gittern. Damit sie nicht zurückrutschen, haben sie Stacheln an den Sprossen. Im Garten muss man diese Arten an einem Klettergerüst meist zusätzlich festbinden. Dem Kletten-Labkraut (Galium aparine) geben hakig gebogene Haare einen Halt. Die Dreilappige Jungfernrebe (Parthenocissus tricuspidata) bildet Haftscheiben aus, mit denen sie sich als Selbstklimmer sehr gut auch an glatten Flächen festhalten kann. Forschende haben herausgefunden, dass ihr Klebstoff so stark ist, dass eine einzige Haftscheibe bis zu 600 g tragen kann. Im Gegensatz zu Haftwurzeln entziehen die Haftscheiben dem Untergrund keine Stoffe, schaden einer intakten Fassade also nicht. Die im Sommer dicht beblätterte Pflanze hält die Hauswand in der heißen Jahreszeit schön kühl. Während sich ungeschützte Wände auf bis zu 60 °C aufheizen können, erreicht eine begrünte Fassade nur rund 30 °C. Die «grüne Wand» hält außerdem Hagelschlag und Starkregen von der Bausubstanz fern.

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Hopfen gilt als starkwüchsige Kletterpflanze, die sich in einer Vegetationsperiode bis zu 10 m in die Höhe rankt. Foto: Fiona Hofer

 

BLATT
Eine Aura aus Ölen

Viele Gewürzkräuter wie Rosmarin, Lavendel (Lavandula) und Thymian (Thymus) enthalten ätherische Öle. Mit diesen in speziellen Drüsen gebildeten Stoffgemischen locken die Pflanzen bestäubende Insekten an oder wehren Schädlinge und Krankheiten ab. Die meisten dieser Gewürze stammen aus dem Mittelmeerraum oder anderen trockenen, sonnigen Regionen. Dort bieten die leicht flüchtigen Stoffe noch einen weiteren Vorteil: Wenn sie entweichen, bilden sie eine Schutzwolke rund um die Gewächse. Sie sättigen dabei den Luftraum so stark, dass die Pflanzen kaum noch Wasser verdunsten.

rgb-073lo_Spohn_Gartenbotanik_(c)Roland Spohn
Rosmarin zählt zu den bekanntesten Gewürzkräutern in vielen Gärten.

 

BLÜTE
Ruhestätten

Viele Wildbienen suchen abends oder bei Regen Glockenblumen (Campanula) auf. Sie finden in den meist nach unten geneigen Blüten Schutz vor nächtlichen Räubern, Tau und Regen. Auch die Blüten der Weißen Seerose (Nymphaea alba) sind beliebte Nachtquartiere. Käfer lassen sich darin einschließen, wenn sich die Blütenblätter abends zusammenneigen. Zwischen den Blütenblättern von Rosen (Rosa) und in den Blütenkörbchen von gefüllten Dahlien (Dahlia) verstecken sich tagsüber häufig Ohrwürmer (Dermaptera). Die schüsselförmigen Blüten der in den Alpen und im hohen Norden beheimateten Weißen Silberwurz (Dryas octopetala) bündeln die Wärme der Sonnenstrahlen wie Parabolspiegel in ihrem Zentrum. Dort helfen sie Fliegen, trotz der kalten Umgebung auf Betriebstemperatur zu kommen.

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Hier ruht eine Fliege in einer Blüte. Foto: Fiona Hofer

 

SAMEN & FRUCHT
Energiebomben

Früchte, die bei ihrer Verbreitung auf Tiere setzen, müssen diese für ihre Dienste belohnen – so wie es die Blüten für die Bestäuber:innen ebenfalls tun müssen. Im ungünstigsten Fall fressen die Besucher:innen die nahrhaften Samen. Diese sind je nach Pflanze mit Ölen, Fetten, Eiweißen, Stärke oder Zucker vollgepackt und damit nicht nur eine gute Energiequelle für den Embryo, sondern auch lohnende Energiehappen für Tiere. So fallen Schwärme von Vögeln in fruchtende Sonnenblumenfelder ein, Distelfinken (Carduelis carduelis) picken Früchte von Disteln (Carduus, Cirsium), Wilder Karde (Dipsacus fullonum) und Gartenblumen wie Schmuckkörbchen (Cosmos bipinnatus) oder Berg-Flockenblume (Centaurea montana). Mäuse ernten Getreidekörner und nagen an Nüssen aller Art. Die von den Tieren vertilgten Samen sind für die Pflanze verloren. Pflanzen, die solche Opfer bringen, produzieren deshalb Samen und Früchte im Überfluss und bauen darauf, dass Tiere beim Zerhacken und Zerlegen von Fruchtständen genügend Samen verstreuen und verlieren. Dank der Vergesslichkeit von Eichhörnchen & Co. bleiben auch bei Hasel und Walnuss genügend Nüsse übrig, um deren Nachwuchs sicherzustellen. Die tierischen Gärtner:innen haben sie meist so gut eingebuddelt, dass sie gleich einen optimalen Keimplatz haben.

rgb-128ro_Spohn_Gartenbotanik_(c)Roland Spohn
Auf dieser Illustration ist ein Distelfink auf einer Wilden Karde zu sehen.

Margot Spohn hat Biologie mit Schwerpunkt Botanik und Pharmazeutische Biologie studiert. Hauptberuflich ist sie mit der Zulassung komplementärmedizinischer Arzneimittel in der Schweiz beschäftigt. Zusammen mit ihrem Mann verbringt sie viel Zeit mit Beobachtungen in der Natur und gibt ihr Wissen auf Exkursionen und in gemeinsamen Büchern weiter.

Roland Spohn arbeitet als selbstständiger Biologe im Bereich Naturfotografie und Sachillustration. Außerdem kombiniert er viele biologische Themen zu fantasievollen Gemälden und zeigt diese in Ausstellungen.

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