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Herzlich Willkommen!

Auf der Suche nach einem neuen Hobby?

Vielleicht ist ja die «irische Kalligraphie» auch genau das Richtige für Sie!

Auf jeden Fall kann man die Begeisterung in Timothy O'Neills Zeilen förmlich spüren.
In seinem Buch «Irische Kalligraphie» vermittelt er die Grundlagen der traditionellen irischen Kalligraphie und Ornamentik und gibt zugleich Einblicke in Irlands frühe Verbindungen zum mittelalterlichen Europa.

Der erste Teil des Buches zeichnet die Entstehung einiger Handschriften nach, die bis heute in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt werden. Dann wirds praktisch, denn die nachfolgenden Kapitel enthalten Anleitungen und Übungsseiten zum Schreiben und Ausschmücken eigener Handschriften. 

Im Interview erzählt uns der Autor von seiner Leidenschaft für alte Schriften, von der Vielzahl an kreativen Gestaltungsmöglichkeiten und wie man selbst gleich loslegen kann, denn das Kalligraphieren liegt wieder im Trend ...

Ein herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle noch an Christine O'Neill für die Übersetzung des Interviews!

Die Schriften und Ausschmückungen in diesem Beitrag stammen alle aus dem Buch.


Autor Timothy O'Neill im Interview:

Woher kommt Ihre Faszination für die Kalligraphie? Und wie kam es dazu, dass Sie der irischen Kalligraphie ein eigenes Buch gewidmet haben?

Als ich etwa 12 Jahre alt war, schenkte mir mein Vater ein Kalligraphie-Set, das aus einem Füllfederhalter mit Kalligraphiefedern in drei unterschiedlichen Breiten bestand. Ich begann, gotische oder gebrochene Schriften nachzuschreiben. Später studierte ich an der Universität mittelalterliche Geschichte und mittelalterliche Handschriften und begann mich dafür zu interessieren, wie Bücher vor der Erfindung des Buchdrucks hergestellt wurden. Der Schreibstil in meinem Buch «Irische Kalligraphie» ist auch für Anfänger:innen leicht zu erlernen. Das Geheimnis liegt in der Art der verwendeten Feder – einer spachtelförmigen statt einer spitzen– und wie man den Füller oder die Feder hält.

O'Neill, Timothy; O'Neill, Christine (Übersetzung)
Irische Kalligraphie Buch

CHF 24.00 CHF 20.40*

Worin unterscheidet sich die irische Kalligraphie von anderen europäischen Handschriften?

Die im Buch beschriebene Schrift war ein Stil, der im 5. Jahrhundert aus der römischen Welt nach Irland gelangte. Sie setzte sich in Irland und Britannien als Standard durch. Eine andere Version dieser Schrift wurde unter Kaiser Karl dem Großen gefördert. Diese Schrift wurde mit einer Feder geschrieben, die schräg zur Liniierung gehalten wurde. Weil sie kompakter war und weniger wertvolles Pergament erforderte, konnte sie sich in ganz Europa durchsetzen.

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Im Buch finden Sie Seiten, die zum Üben einladen. Zum Beispiel verschiedene Ausschmückungen einer Handschrift, wie diese kleinen roten Punkte oder Farbfüllungen einzelner Buchstaben. 

 

Früher wurde viel mit Gänse- oder Schwanenfedern auf Tierhäute geschrieben. Auf welche Ausstattung setzen Sie persönlich heute?

Ich schreibe stets mit einer Feder mit breiter Spitze. Den Entwurf eines Werks erstelle ich mit einem Kalligraphie- oder Patronenfüller. Die Endfassung schreibe ich dann mit einer altmodischen Feder zum Eintauchen, da sie feinere Linien erzeugt. Gänse- und Schwanenfedern eignen sich immer noch am besten als Schreibfedern, aber ihre Vorbereitung und das Zuschneiden mit einem Taschenmesser sind recht knifflig (im Englischen verwenden wir den Begriff „penknife“ immer noch für ein Taschenmesser).

Welche Ausschmückungen verwenden Sie am liebsten für Ihre kalligraphischen Werke?

Die Buchstaben selbst können Teil der Ausschmückung sein. Gezeichnete und gemalte Buchstaben wurden oft am Anfang eines Textes verwendet. Schmuckstile entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte gemeinsam mit den Schriften. Ist ein Text in irischer Schrift geschrieben, eignen sich besonders abstrakte Flecht- und Spiralelemente. Für ein Werk in karolingischer oder kursiver Schrift bieten sich Pflanzen- oder Tierformen als Ausschmückung an.

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Die Spirale ist eine der ältesten Ausschmückungsformen, und prähistorische Beispiele wurden in Irland und anderswo in die Steine von Gangräbern eingemeißelt.

 

Mir gefällt, dass es im Buch neben Infos auch gleich praktische Anwendungsseiten zum Üben gibt. Vorauf sollte man als Anfänger:in bei der Ausrüstung fürs Kalligraphieren achten? 

Für die Schreibübungen wählt man am besten eine Kalligraphiefeder mit Patrone und einer Spitzengröße von 1,9 oder 2,3. Für die Ausschmückungsübungen eignen sich Bleistifte und Feinschreiber.

Wie steht es um die Kalligraphie heute? Ist es schwer, das Handwerk am Leben zu halten? Welche Massnahmen werden ergriffen, um diese Kunstform zu erhalten?

Das Interesse an der Schriftkunst erlebt gerade generell eine Renaissance – womöglich als Reaktion auf das Tippen auf dem Handy oder am Computer? Die Kalligraphie hat mehr mit dem Buchdruck als mit der „normalen Handschrift“ gemeinsam. Sie hat ihren Ursprung in jenen Jahrhunderten, in denen jedes Buch von Hand abgeschrieben wurde. Das Üben der Kalligraphie ist nicht nur für diejenigen sinnvoll, die sich mit Handschriften beschäftigen, sondern auch ein preiswertes, leicht zu erlernendes Hobby.

Welche Botschaft(en) möchten Sie mit dem Buch vermitteln?

Wir können fast alle noch schreiben, und so kann das Erlernen und sorgfältige Schreiben einer historischen Schrift entspannend und meditativ wirken. Es kann eine sehr kreative Erfahrung sein, mit vertrauten Buchstabenformen zu spielen und sie auf Papier zu zeichnen und anzuordnen.

Was war das schönste oder emotional wichtigste Werk, das Sie kalligraphisch gestaltet und umgesetzt haben? Könnten Sie uns ein Bild davon zeigen?

Ich habe mich sehr gefreut, als ein Flechtmuster im traditionellen irischen Stil für die Heckflossen von zwanzig Flugzeugen der British Airways verwendet wurde. Die Methode für den Entwurf des Designs war sehr einfach und wird in unserem Buch Irische Kalligraphie ausführlich erklärt.

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Das künstlerische Flechtwerk auf der Heckflosse dieser Maschine stammt von Autor Timothy O'Neill. Foto: British Airways Worls Images Tailfin (1997)

 

Tim O’Neill ist einer der erfahrensten Kalligraphen unserer Zeit. Seine kreative Herangehensweise an die traditionelle Kalligraphie ist einzigartig, und seine Werke sind in Sammlungen weltweit zu finden. Außerdem ist er Lehrer und Historiker. Sein 1984 erstmals erschienenes und 2014 neu aufgelegtes Buch «The Irish Hand» gilt nach wie vor als Standardwerk über irische Schrift und Handschriften.

https://www.timothyoneill.ie/

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