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Wild und bunt: unverarbeitete Materialien

Künstlermaterial aus lokalen Rohstoffen – nachhaltig und plastikfrei

«Wir sind dabei, uns immer weiter von der dahinschwindenden Welt der Natur zu entfernen. Caroline Ross erinnert uns daran, dass die Zutaten für unsere Wiederverzauberung in Hülle und Fülle überall um uns herum bereitliegen.» Aus dem Vorwort von Stewart Lee, Autor/Clown, Warwickshire, Oktober 2024

Nach ihrem erfolgreichen Titel «Wilde Farben» zeigt Caroline Ross in «wild und bunt», wie aus gefundenem Naturmaterial und alltäglichen Resten individuelle Zeichenmaterialien entstehen.

Die Autorin spannt den Bogen vom achtsamen Sammeln in Natur und Stadt bis hin zu Anleitungen für bunte Pastelle und farbige Tinten. Nach den fünf Elementen der chinesischen Philosophie gegliedert – Erde, Feuer, Wasser, Holz und Metall –, widmet sich jedes Kapitel den seit alters her verwendeten Materialien aus zeitgenössischer Perspektive. So verbindet das Buch traditionelle Techniken mit modernem Recycling.

Alles beginnt mit dem Sammeln, sei es im Wald oder am Fluss. Danach zeigt Ross, wie Schilfrohr zum Schreibgerät wird und ein Stück Draht zum überraschenden Metallstift. Aber auch Walnussschalen, Pflaumenblätter und selbst Alufolienreste liefern überraschende Farbspuren. Zweige oder Schnittgut von Weinreben werden zu Pinseln und Künstlerkohle. Und wer eine Feder findet, liest im Buch nach, wie man sie zu einer Schreibfeder schneidet.

Eine Inspirationsquelle für alle, die ihre Kreativität nachhaltig entfalten wollen.

Hier im Folgenden geben wir einen Einblick ins Buch und stellen Zeichenmaterialien vor, die schon seit Urzeiten verwendet werden.

Ross, Caroline; Taubert, Anne (Übersetzung)
wild und bunt – selbst gemachte Zeichenmaterialien aus der Natur Book

CHF 28.00 CHF 23.80*

Unverarbeitete Materialien

Jetzt geht es in das Reich farbigen Felsgesteins, tiefschwarz verkohlten Holzes, weicher Steine und poröser weißer Kreide. Bruchstücke dieser Materialien kann man einfach in die Hand nehmen und sofort damit losmalen. Vielleicht erinnern Sie sich an das Vergnügen aus Kindertagen, mit Kreidestückchen das Raster für Himmel und Hölle auf den Boden zu malen. Wenn Sie in Italien, Frankreich, im Iran oder im englischen Forest of Dean leben, könnten Sie das Glück haben, riesige Vorkommen farbiger Ocker ganz in Ihrer Nähe zu haben. Dort kann es passieren, dass leuchtende Erdklumpen, die intensive Malfarben abgeben, einfach so am Wegesrand liegen. Die bekannten Farben aus Siena, Hormus, dem Roussillon oder Clearwell sind zu Recht berühmt und haben Künstler:innen seit Jahrtausenden inspiriert. Mit Zeichenmaterialien in Bruchstückform wurden überall auf der Welt umherziehende Auerochsen und galoppierende Pferde schon auf Höhlenwänden gestaltet. Auch die europäischen Renaissancekünstler:innen griffen bevorzugt danach. Rötel, roter Bolus und Ercolano-Rot erlaubten es ihnen, in roten Kreidezeichnungen auch fein modellierte Haltungen des Modells wiederzugeben. Die Vorteile dieser einfachen Materialien sind ihre unmittelbare Gebrauchsfertigkeit, ihre unkomplizierte Anwendung und ihre relativ niedrigen Kosten. Vielleicht finden Sie das ein oder andere Material in Ihrer Nähe. Aber selbst wenn Sie Rötel kaufen, werden Sie erstaunt sein, welchen großen Unterschied das rohe Naturprodukt gegenüber dem Buntstift oder der Ölpastellkreide macht.

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Foto: Mark Davison

 

Wo findet man farbgebende Materialien?

Erstaunlicherweise ist es im Stadtgebiet, auf dem Land und in der Nähe von Gewässern nicht schwer, auf farbgebende Materialien zu stoßen.

Bauziegel: Zerbröselnde Ziegel aus alten Mauern und von Abrissgebäuden können großartige terrakottarote Zeichenmittel sein. Ist Ihr Stein so hart, dass er auf Papier keinen Farbabrieb hinterlässt, können Sie ihn zermahlen und als Pigment nutzen.

Kreidefelsen: In vielen Gebieten der Erde finden sich Kreidefelsen oder es existieren weiche, kalziumhaltige Schichten nahe der Erdoberfläche. Oft kann man sie als Kiesel einfach vom Boden auflesen. In Südengland zieht sich Kreide in langen Gesteinsstreifen von Ost nach West durch das gesamte Land.

Kies- und Schotterwege: Schauen Sie bei Spaziergängen und Wanderungen einmal zu Ihren Füßen: In den Kieseln von Parkwegen blitzen nicht selten gelbe und orangefarbene Ockersteine hervor. Auf Wanderwegen fördert ein zufälliger Tritt bisweilen weiche, leuchtend farbige Steine aus dem Erdreich zutage.

Kohle: Kohle lässt sich ganz in der Nähe sammeln – bei sich zu Hause im Gartengrill oder in der Feuerschale. Auch Landschaften, in denen ein Feuer gewütet hat, sind ein Fundort dafür. Zeichenkohle von dort zu verwenden, kann eine, wenn auch schmerzliche Möglichkeit darstellen, sich einem Landstrich wieder anzunähern, den man liebt und der drastischer Veränderung und Erneuerung unterworfen ist.

Lehm und Ton: In unterschiedlichen Farben sammeln sich Lehm und Ton in Flussbetten, in Gräben und an Seeufern. Sie kommen in fast allen Teilen der Welt vor und haben das Töpferhandwerk nach sich gezogen. Zum Aufspüren von Fundstellen kann man auf Landkarten nach alten Ortsnamen forschen, die einen Hinweis darauf geben: etwa Ziegelweg, Töpfergasse oder zum Beispiel Deutsche Tonstraße. Der Lehm befindet sich oft direkt unter unseren Füßen; ein vom Wind entwurzelter Baum kann ihn zutage fördern.

Hämatit und Ocker: Beide spült das Meer in Form von Kieseln an den Strand. Man prüft, ob sie einen Strich hinterlassen, indem man sie über einen härteren Stein reibt oder – noch besser – in einem mitgebrachten Skizzenblock ausprobiert!

 

Unverarbeitete Materialien zum Ausprobieren

Kreide, rote Erde und Kohle zählen zu den einfachsten und ältesten Zeichenmaterialien. Auch an der Meeresküste oder einem Seeufer lassen sich Steine finden, die weich genug zum Zeichnen sind. Ton, wie matschig und nass er auch sei, ist nach dem Trocknen ein wunderbares festes Malmittel. Selbst ein zerbröckelnder alter Ziegel kann in Form eines Pigments verwendet werden, je älter, desto besser. Auch wenn Ihre regionalen Gegebenheiten stark von den meinen abweichen, gibt es bestimmt etwas für Sie zu entdecken. Unten finden Sie eine Auswahl an festen, farbgebenden Naturstoffen (die meisten davon sind einfach zu finden). Sie sehen auch den farbigen Abrieb. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden alle auf dem gleichen Papier abgestrichen, einem Ingres-Pastellpapier mit 160 g/m².

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Fotos: Mark Davison

Den Einsatzmöglichkeiten dieser Malmittel aus der wilden Natur sind keine Grenzen gesetzt. Brechen Sie Erdklumpen oder weiche Steine in eine Form oder Größe, die Ihnen für den jeweiligen Zweck am geeignetsten erscheint. Für feine Schraffierungen haben die Renaissancekünstler:innen an ihre Klumpen roten Ockers oder Kreide Spitzen oder Kanten geschliffen. Sollten Sie allerdings ein ausladendes Wandbild planen, lassen Sie die Stücke am besten groß. Experimentieren Sie und finden Sie heraus, was Ihnen am meisten zusagt.

 

Exkurs: Wilde Pinsel

Am Schluss lohnt es sich noch, Pinsel aus Pflanzenmaterial, Tier- oder Menschenhaaren zu betrachten. Sie eignen sich hervorragend für experimentelle Zeichungen, ausdrucksstarke texturierte Linien und einzigartige Spuren mit Tinte. Außerdem lassen sich breite, federähnliche Pinsel und Tupfwerkzeuge als Wolle, Leder oder Stoff herstellen. In der Handhabung unterscheiden sich diese nicht allzu stark von breiten Stiften. Sie sind großartig für breite Linien und zum Ausfüllen großer Flächen geeignet. Welche Sorte Pinsel Sie auch immer wollen, in jedem Fall benötigen Sie einen Stiel. Sammeln Sie dafür gerade Stöckchen, Schilfrohre, hohe Ständel aus dem winterlichen Garten oder vom Anmachholz – oder sogar auch hohle Knochen. Für den Kopf eines Stupf- oder Borstenpinsels stehen viele Materialien zur Auswahl: Sehen Sie sich in Ihrer Wohnung, in der Garage und im Garten um. Suchen Sie nach Filzresten, Wild- oder Glattleder, Wollstoff, Fleece oder Garn. Sammeln Sie Haare aus Ihrer Haar- oder der Staubsaugerbürste. Oder nutzen Sie ein Büschel Fell Ihres Haustiers beim jährlichen Fellwechsel oder nach dem nächsten Trimmen. 

Wilde Pinsel aus Materialien wie diesen herzustellen, ist überraschend einfach, aber einer Weiterentwicklung sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Verwenden Sie Hülsen aus Trinkhalmen oder Federschäften und bestücken Sie diese mit zugeschnittenen Federn, Distelwolle oder zusammengeballten Haaren oder Garnresten. MIt Stielen aus Rohrpflanzen, Bambus oder hohlen Stängeln aus dem winterlichen Garten und einer Handvoll aus der Hecke geklaubter und zusammengeballter Schafwolle können Sei die allerbesten Stupfpinsel herstellen. Mit Watte funktionieren diese auch. Sammeln Sie herabgefallene Kiefernnadeln und zwängen Sie ein Büschel davon fest in einen hohlen Holunderzweig (oder binden Sie das Büschel  an einem Stab fest; nutzen Sie dazu gebrauchte Schnur). 

Der Vorteil selbst gemachter Pinsel gegenüber den Standardpinseln ist der erfrischend andersartige und expressive Strich. Der Nachteil ist, dass Ihnen ein Pinsel, an dem Sie besonders hängen und der sich abgenutzt hat, kein zweites Mal mit denselben Eigenschaften gelingen wird. 

 

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Foto: Mark Davison

 

Caroline Ross nutzt Materialien aus der Natur, um Kunstwerke zu schaffen – von kleinen Illustrationen bis hin zu großen Wandbildern. Sie lebt in Südengland, wo sie Kurse im Zeichnen und in der Herstellung von Malfarben und weiteren Künstlermaterialien hält. Ross hat Malerei an der Chelsea School of Art studiert und ist Mitglied des Dark Mountain Project und dem Wilderness Art Collective.

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